Zeit und Raum für soziales Lernen - DO in Tägerig

An der Primarschule Tägerig arbeitet DO seit Jahren in der Mittelstufe. Jedes Jahr durchläuft die vierte Klasse während eines Semesters ein DO-Klassenprojekt.

In insgesamt acht DO-Trainingseinheiten zu den Themen Respekt, Verantwortung, Team, Disziplin, Grenzen, Gewalt, Selbstverteidigung, Mut und Sieg / Niederlage erarbeitet die Klasse nicht nur viel Wissen, Können und Motivation in Lebenskompetenzen.

Die Klasse kann sich frei entscheiden, eine Kata (Form aus dem Karate) zu lernen und als Klasse eine Prüfung abzulegen. Auch die aktuelle Klasse hat sich für diese Prüfung entschieden. Zusammen sind wir nun auf dem Weg... 


Die Schüler wollen gerne etwas zum laufenden Projekt erzählen. Eine Auswahl:

Simon: Ich fand das Rüebliziehen am besten und die Disziplin-Aufgaben mit dem Rennen und den Liegestützen. Zum Thema Grenzen habe ich gelernt, dass ich mehr darauf achte, Nein zu sagen, wenn ich etwas nicht möchte und nicht einfach alles mitmache.

Fabio: Für mich war das Highlight bisher das Team-Spiel, als wir die Leute mit den Matten transportiert haben. Weil alle haben sich mega Mühe gegeben und wollten sich verbessern. Ich habe gelernt, dass ich zum Thema Verantwortung nicht die Schuld auf andere abschieben sollte, sondern zugeben kann, wenn ich Schuld habe. Ich wünschte mir in Zukunft noch etwas mehr Zeit, um im DO mit der Klasse am Kata üben zu können.


Auch die Klassenlehrperson Eveline Haag hat sich die Zeit genommen, ausführlich auf unsere Fragen einzugehen:

Das DO-Projekt soll die Klasse im sozialen Lernen unterstützen. Also die Selbst- und Sozialkompetenzen steigern - bspw. Selbstbehauptung stärken, Konfliktkompetenzen fördern. Gelingt das mit dem DO-Projekt? Wenn ja: Wie?
Eveline Haag: Die Förderung gelingt dadurch, dass wichtigen Themen der Selbst- und Sozialkompetenzen bewusst Zeit und Raum gegeben wird. Die Modulinhalte geben Anstoss, Besprochenes und am eigenen Körper Erfahrenes künftig 'natürlich' in den Unterrichtsalltag einfliessen zu lassen.

DO kommt als externer Dienstleister an die Schule. Grundsätzlich könnten ähnliche Trainingseinheiten auch von Lehrpersonen durchgeführt werden. Was ist aus deiner Sicht der Nutzen für die Schule, DO in die Präventionsarbeit einzubeziehen?
Der Einbezug von externen Lehrpersonen ist ein Gewinn, weil sie unvoreingenommen sind, einen anderen Blick auf die einzelnen Kinder und die Klasse werfen und sich voll und ganz auf die Modulinhalte konzentrieren können. Als Klassenlehrperson die beobachtende Rolle einnehmen zu können, ist sehr wertvoll. Der Austausch zwischen DO-Lehrperson und Klassenlehrperson vor- und nach den Modulen ist wichtig für die Arbeit. Die Kinder schätzen die Abwechslung, das Können und den Umgang mit jemandem, der nicht auch noch ihre Mathematikprüfungen korrigiert und das Zeugnis schreibt. 

Du als Lehrperson arbeitest jeweils mit und hast verschiedene Aufgaben. Zum Beispiel erhältst du einen Beobachtungsauftrag während den DO-Lektionen. Wie gehst du diesen an? Was bringt er dir?
Ich setze mich an den Turnhallenrand und notiere alles Positive und Erfreuliche, was ich sehe. Später kann ich dies der Klasse zurückmelden. Ich versuche, frei von Interpretation zu beobachten. Wenn ich selber unterrichte, sind die Beobachtungssequenzen und die Blickspanne kürzer, deshalb schätze ich diese Möglichkeit. Ich schreibe mir auch wichtige Äusserungen oder Sätze auf, um diese später im Unterricht wieder aufgreifen zu können. 

Der Transfer der Themen von den DO-Trainingseinheiten in den Schulalltag gehört ebenfalls zu deinen Aufgaben. Wie gehst du diesen an?
Die Kinder schreiben nach jedem Modul eine Rückmeldung. Dafür plane ich mindestens eine Lektion ein. Die Kinder wiederholen die Inhalte und machen sich Gedanken zum Gelerntem, zu eigenen Erfahrungen, zu Positivem und Negativem.
Im Klassenkreis greifen wir Themen auf und geben Feedback, wie Themen aus den Modulen im Schulalltag umgesetzt oder erfahren worden sind.
Manchmal gibt es Diskussionen oder kurze Bemerkungen, wenn die Situation gerade passt (bei Streitereien, vergessenen Hausaufgaben, Gruppendruck, ...). Die Möglichkeiten des Transfers sind vielfältig, ich probiere es möglichst selbstverständlich in den Schulalltag einzubauen. 

Würdest du das DO-Projekt auch anderen Schulen empfehlen? Weshalb (nicht)?
Wenn das DO-Projekt präventiv und regelmässig (z.B. immer in der 3. Klasse) eingesetzt wird, empfehle ich es sehr, da das Projekt eine Klassenlehrperson bei der Arbeit mit ihrer Klasse unterstützt und entlastet. Herausfordernde Themen der Selbst- und Sozialkompetenz werden spielerisch, bewegt, lustvoll, intensiv angegangen. Die Wirkung bei einer Intervention ist für mich schwierig zu beurteilen. Ich erachte es aber als wichtig, dass alle Lehrpersonen der Schule informiert sind, was das Projekt beinhaltet. So kann es gemeinsam getragen und weitergeführt werden. Das Projekt ist aus meiner Sicht dann nachhaltig, wenn es in einem grösseren Zusammenhang steht und zum Beispiel ein Bestandteil der Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz in einer Schule ist.


 

Die Bilderauswahl zeigt verschiedene Eindrücke aus DO-Modulen: Im Team kooperieren und sich gegenseitig unterstützen; zusammen halten und Grenzen erweitern